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Schmerzensgeld muss schnell gezahlt werden. Sobald die Haftung feststeht und der Schaden überschaubar ist, muss die gegnerische Versicherung, wenn schon nicht die ganze Summe, dann zumindest hohe Abschlagszahlungen auf das Schmerzensgeld leisten.
Denn nur dann, so die Rechtsprechung, kann das Schmerzensgeld seine Funktion, ein Ausgleich für entgangene Lebensqualität und Lebensfreude zu sein, am besten erfüllen.
Doch Versicherungen spielen gerne auf Zeit. Sie kommen ihrer Verpflichtung nicht immer nach, finden 1001 Ausflüchte, um nicht zahlen zu müssen – wie wir es einmal mehr in einem unserer aktuellen Fälle erfahren mussten.
Doch das Landgericht Karlsruhe hat reagiert und mit Urteil vom 22.12.2016 (AZ: 7 O 20/12) das unangemessene und zögerliche Regulierungsverhalten dieser Versicherung mit einer drastischen Schmerzensgelderhöhung sanktioniert.
Der Fall
Die Mutter des kleinen S. wurde in der letzten Schwangerschaftswoche wegen extrem starker Blutungen als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert. Bevor Ankunft des Krankenwagens, beseitigte die Mutter die sichtbaren Folgen der Blutung, so dass ihr Fall von der Ärztin nicht ernstgenommen wurde. Sie hat die Anzeichen einer Plazentaablösung nicht erkannt und den fälligen Notkaiserschnitt viel zu spät veranlasst.
Der Säugling kam mit schweren bleibenden Schäden – einem Hirnödem und vollständigem Nierenversagen – zur Welt. Das Kind wird Zeit seines Lebens auf fremde Hilfe und ärztliche Behandlung angewiesen sein. Es wird nie das Leben eines gesunden Gleichaltrigen führen können. Nach dem ersten Schock und nachdem mehrere Gutachten den folgenschweren Behandlungsfehler eindeutig bestätigten, entschlossen sich die Eltern gegen die behandelnden Ärzte bzw. das Krankenhaus zu klagen.
Die Versicherung mauert
Die Versicherung zeigte sich zwar nach außen vergleichsbereit, stieg jedoch nie ernsthaft in Vergleichsverhandlungen ein. Vielmehr torpedierte sie die Regulierung von Anfang an, hat die positiven Gutachten ignoriert und hat mehr als 6 Monate auf Anfragen überhaupt nicht reagiert. Ein erneutes Einschalten des Gerichts half ebensowenig weiter wie ein neues positives Gutachten.
Da das Kind sich zum Glück besser entwickelte, als zunächst angenommen, wurde das zu Beginn der Verhandlungen geforderte Schmerzensgeld von 350.000 Euro auf 160.000 bis 180.000 Euro reduziert. Doch auch das brachte kein Entgegenkommen der Versicherung. Nach Ausschöpfung der gesetzlichen Fristen teilte sie lapidar mit, man sei von der Haftung dem Grunde nach nicht überzeugt, eine gütliche Einigung scheide aus.
Entwürdigendes Verhalten des Versicherers führt zu Schmerzensgelderhöhung
Bei der letzten Verhandlung im Dezember 2016 schätzten die drei Richterinnen des Landgerichts Karlsruhe die Einwände der Versicherung als „teilweise derart unverständlich, dass sie nicht mehr als der Beklagten selbstverständlich zustehenden Maßnahmen der Rechtsverteidigung qualifiziert werden können“ ein. Sie haben dieses entwürdigende Verhalten in ihrem Urteil als schmerzensgelderhöhend berücksichtigt. Statt der ursprünglich geforderten 160.000 bis 180.000 Euro verurteilten sie die Versicherung auf die Zahlung von 350.000 Euro Schmerzensgeld – nahezu eine Verdoppelung der geforderten Summe Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie Versicherungen Geschädigte in unverständlicher Weise hinhalten und ganz klar begründete Zahlungen mit nicht nachvollziehbaren Begründungen um viele Monate, teilweise auch um Jahre verzögern. Das Landgericht Karlsruhe hat hier deutliche Worte gesprochen und dieses Verhalten angemessen sanktioniert.
Rechtsanwalt Thomas Gfrörer, Montabaur
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